ZAPPZARAPP – Ein Pop-Up-Kulturzentrum auf Probe
22. Dezember 2023
Diesen Beitrag habe ich zum großteil von KI schreiben lassen. Dies ermöglicht es mir, ältere Projekte aufzuarbeiten und zu dokumentieren.
Projektbeschreibung
Zwei Jahre nach der Gründung des Novum Kollektivs und zwei erfolgreichen Raves im Columbusbahnhof (gemeinsam mit der Theatergruppe „Das letzte Kleinod“) bekamen wir Ende November 2023 ein konkretes Angebot: Kevin Ricke, Besitzer des Kulturbahnhofs Lehe, bot uns einen festen Raum namens „Zapp“ an – bisher genutzt für private Feiern und Vereinstreffen. Die Idee: Wir testen einen Monat lang, ob daraus ein dauerhaftes Pop-Up-Kulturzentrum werden kann.
Aus dem ursprünglichen Dreierteam (Laurens, Laurenz und ich) wurde für dieses Projekt ein Viererteam: Laurenz stieg aus, dafür kamen Esther Baumgarten (9. Semester GIF) und Berit Mahler (3. Semester GIF) dazu. Für die Veranstaltungsreihe „ZAPPZARAPP“ beantragten wir bei der Förderung „Junge Szene und Subkultur“ des Landes Bremen 6.000 € – und bekamen sie bewilligt.
Geplant waren fünf Veranstaltungen im Dezember 2023, durchgeführt haben wir drei.
Von der Idee zum Pop-up: Vorbereitung
Am 02.11.2023 haben Laurens und ich uns mit Kevin vor Ort getroffen, einen Lageplan bekommen und ein erstes grobes Konzept entwickelt: ein partizipatives Kulturzentrum für Studierende und Azubis – am Wochenende Live-Acts und Raves, unter der Woche eine Bar mit Ausstellungen, Lesungen und Workshops.
Nach der Förderzusage ging alles sehr schnell. Anfang Dezember haben wir den Raum übernommen und innerhalb von einer Woche schwarz gestrichen, Möbel organisiert und für die erste Veranstaltung hergerichtet. Der Kreative Aufbruch Bremerhaven hat uns dabei das Nötigste an Möbeln und Technik günstig zur Verfügung gestellt. Für eine der Veranstaltungen haben wir außerdem mit der „Legit Crew“ zusammengearbeitet.
Die Partnerschaft mit Kevin war für beide Seiten sinnvoll: Wir bekamen einen nutzungsfertigen Raum mit Bar, Licht und Technik in Laufnähe zur Alten Bürger – Kevin bekam Renovierungsarbeit, Mieteinnahmen und neues Leben in seinem Veranstaltungsort.
Geschäftsmodell-Erweiterung statt mehr Partys
Bevor wir das Angebot annahmen, haben wir uns bewusst mit der Ansoff-Matrix auseinandergesetzt – also damit, wie wir als Novum Kollektiv weiterwachsen wollen:
- Marktdurchdringung (einfach mehr Raves) – verworfen, das hatten wir bereits getestet.
- Markterschließung (z. B. nach Bremen expandieren) – verworfen, der Markt dort ist bereits gesättigt.
- Produktentwicklung – unsere Wahl: Wir wollten unser Angebot über reine Partys hinaus zu einem echten Kulturraum erweitern.
Eine Umfrage unter unseren Instagram-Follower:innen („Was würdet ihr euch in Bremerhaven wünschen?“) bestätigte diese Richtung: 21 Antworten, davon 13 zu Techno-Formaten (Hardcore, EDM, Darkpsy, Newcomer-DJ-Abend) und 8 zu kulturellen Formaten (Nachtflohmarkt, Vorträge, Workshops).
Für den MVP im Dezember haben wir uns konkrete Ziele pro Veranstaltung gesetzt:
- mindestens 30 Besucher:innen
- 150 € Einnahmen
- 20 % Neukund:innen
Die Veranstaltungsreihe im Dezember
Von den fünf geplanten Formaten haben wir drei umgesetzt – darunter ein Flinta*-DJ-Workshop, den wir gemeinsam mit „unfriendly FLINTA*“ (Paloma Flinta Fatala) organisiert haben. Während der Veranstaltungen hatten wir intensiven Kontakt zu vielen Akteuren der Bremerhavener Kulturszene.
Parallel haben wir eine Buchhaltung für das Projekt aufgesetzt, um die Fördermittel korrekt nachzuweisen. In der Praxis war das schwieriger als gedacht: Weil wir während des Monats voll mit Aufbau, Programm und Veranstaltungen ausgelastet waren, haben wir Belege nicht täglich, sondern eher unregelmäßig gesammelt. Insgesamt war der Aufwand für die Finanzplanung trotzdem angemessen.
Ergebnis: Zahlen und Realität
Nach einem sehr arbeitsintensiven Monat mit drei Veranstaltungen war klar: Der Raum funktioniert grundsätzlich, und unsere Zielgruppe nimmt das Angebot an. Die selbst gesetzten MVP-Ziele (30 Besucher:innen, 150 € Einnahmen, 20 % Neukund:innen pro Veranstaltung) haben wir aber nicht durchgehend erreicht – insbesondere die Wochentags-Formate haben sich finanziell nicht selbst getragen.
Hinzu kam: Die Investitionen in Farbe, Möbel, Deko und Technik lagen im Bereich von mehreren hundert bis 1.000 € und müssten sich über deutlich mehr Veranstaltungen amortisieren. Und Dezember war denkbar ungünstig gewählt – viele Studierende waren über die Feiertage nicht in Bremerhaven. Hinzu kam, dass wir uns selbst keine Aufwandsentschädigung ausgezahlt haben, wodurch das Projekt wirtschaftlich nie ganz realistisch betrachtet wurde.
Die Entscheidung: Nicht weitermachen
Kevin hat uns angeboten, den Raum dauerhaft zu übernehmen. Wir haben dankend abgelehnt.
Dafür gab es mehrere Gründe. Wirtschaftlich hätten die Wochentags-Formate nicht ausgereicht, um den Betrieb zu tragen – und unsere eigenen Ziele wurden nicht erreicht. Persönlich fehlte uns als Team die Motivation für ein langfristiges Engagement: Laurens beginnt im März 2024 ein Schauspielstudium in München, Esther ist in Bremen bereits sehr aktiv, und ich selbst wollte mich stärker dem Programmieren zuwenden.
Damit hatten wir aber genau den Meilenstein erreicht, für den das Novum Kollektiv vor über zwei Jahren – mit einem Flyer zur Raumsuche vom 03.12.2021 – gegründet worden war: einen passenden Raum für ein Kulturzentrum zu finden. Statt das Angebot leichtsinnig anzunehmen, haben wir unsere Erkenntnisse in einem Handbuch dokumentiert, damit andere junge Kreative aus Bremerhaven diese Chance nutzen können.
Was ich gelernt habe
Was es wirklich heißt, einen Club zu betreiben. Erst durch die detaillierte Auseinandersetzung mit Businessplan und Business Model Canvas wurde mir klar: Als Betreiber bist du der Erste, der aufschließt, und der Letzte, der das Licht ausmacht – jedes Wochenende, unabhängig von der eigenen Stimmung. Getränke müssen laufend nachgekauft, DJs jede Woche gebucht, Programm geplant, Rechnungen bezahlt werden. Die Aufgabenbereiche sind vielfältig, lassen aber wenig Raum für Kreativität und brauchen vor allem Kontinuität und Durchhaltevermögen.
Eine fundierte Analyse kann vor einer überstürzten Entscheidung schützen. Hätten wir uns nicht die Zeit genommen, Businessplan, Business Model Canvas und Finanzplanung detailliert auszuarbeiten, hätten wir Kevins Angebot womöglich angenommen – ohne zu wissen, worauf wir uns einlassen. Im Rückblick bin ich dankbar, dass wir es nicht ohne diese Grundlage getan haben.
Strategische Entscheidungen lassen sich mit einfachen Modellen treffen. Die Ansoff-Matrix hat uns geholfen, eine bewusste Wahl zwischen „mehr vom Gleichen“, Expansion und Produktentwicklung zu treffen – statt einfach weiterzumachen wie bisher.
Wochentags-Programm ist wirtschaftlich eine andere Liga als Partys am Wochenende. Die MVP-Tests im Dezember haben gezeigt: Ein kuratiertes Kulturangebot unter der Woche lässt sich nicht einfach nebenbei und mit minimalem Budget tragen. Diese Erkenntnis war konkret genug, um eine informierte Entscheidung gegen ein eigenes Kulturzentrum zu treffen – ein Ergebnis, das ich als echten Erfolg verstehe, auch wenn es kein „Weiter so“ war.
Veranstaltungen organisieren, um selbst auszugleichen, funktioniert bei mir nicht. Ursprünglich wollte ich mit Raves auch mir selbst ein Angebot schaffen, das ich vermisst habe – als Ausgleich für den Alltag. In der Praxis war die Organisation aber so zeit- und energieintensiv, dass am Montag nichts mehr für meine eigentlichen Ziele übrig blieb. Das habe ich in diesem Projekt endgültig verstanden und ziehe seitdem eine klare Grenze: Veranstaltungstechnik und Lichtdesign mache ich seitdem als Hobby, nicht mehr als Verpflichtung.
Loslassen ist Teil des Projekts. Eine Idee gerne wieder so umsetzen, aber nicht noch einmal selbst – diese Haltung war neu für mich. Statt das Projekt einfach auslaufen zu lassen, haben wir es so dokumentiert, dass andere es übernehmen können. Ein Projekt bewusst abzugeben, anstatt es entweder krampfhaft weiterzuführen oder ganz zu beenden, war für mich eine wichtige Erfahrung in Sachen Verantwortung und Übergabe.
Fazit
ZAPPZARAPP war der praktische Beweis, dass das, wofür das Novum Kollektiv 2021 gegründet wurde, möglich ist: ein eigener Raum für Kultur und Subkultur in Bremerhaven. Gleichzeitig hat der MVP-Monat gezeigt, was ein solcher Betrieb wirtschaftlich und persönlich wirklich bedeutet – und uns die Grundlage für eine bewusste Entscheidung gegeben, das Projekt nicht weiterzuführen, sondern für andere zu dokumentieren. Für mich persönlich war das der Punkt, an dem ich mich von der Veranstaltungsorganisation ab- und der Softwareentwicklung zugewandt habe.