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Novum Kollektiv – Gründung und Standortsuche

1. April 2022

Diesen Beitrag habe ich zum großteil von KI schreiben lassen. Dies ermöglicht es mir, ältere Projekte aufzuarbeiten und zu dokumentieren.

Projektbeschreibung

Im Oktober 2021 haben Laurens Gujber, Laurenz Greschner und ich das Novum Kollektiv gegründet. Die Grundidee: Bremerhaven fehlt es an einem Ort, an dem junge Menschen sich treffen, feiern und kreativ werden können. Wir wollten das ändern – mit einer Eventlocation, die am Wochenende als Club für elektronische Musik funktioniert und unter der Woche Raum für kulturelles und künstlerisches Programm bietet.

Konkret gestartet ist das Projekt am 06.10.2021. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir: eine Idee, ein kleines Netzwerk aus dem Studium (überwiegend GIF-Kommilitonen) und ein paar erste Kontakte über das Werk e.V. und den Kreativen Aufbruch Bremerhaven. Was fehlte: ein Name, eine Marke, ein größeres Netzwerk – und vor allem ein Ort.

Von der Idee zur Marke

Bevor wir nach außen auftreten konnten, brauchten wir eine Identität. Wir haben mehrere Tage mit Brainstorming verbracht und Begriffe wie Tatendrang, Vorfahrt, Zukunft, Wandelbar, Neuanfang, Aufbruch, Neuland und Momentum durchgespielt. Am Ende haben wir gemeinsam abgestimmt – das Ergebnis war Novum Kollektiv.

Für das Corporate Design haben wir festgelegt:

  • Logo in der Schrift Stick No Bills, Farbe #F4E04D auf Hintergrund #000808
  • Slogan in Debas Neue, unterstrichen
  • Fließtext in JetBrains Mono
  • Highlights in Zilla Slab Highlight

Mit diesem Design haben wir einen Instagram-Account aufgebaut, der unsere Zielgruppe in Bremerhaven erreichen und den Weg zu einem subkulturellen Musik- und Kulturzentrum dokumentieren sollte. Bis zum 31.01.2022 hatten wir neun Bilder und ein Video veröffentlicht, das bereits rund 3.900 Personen erreicht hatte – und 174 Follower, von denen 63,2 % aus Bremerhaven und weitere 4,7 % aus Bremen kamen.

Netzwerkaufbau und E-Mail-Kampagne

Ein Club lässt sich nicht ohne Netzwerk gründen. Also haben wir uns systematisch ein Netzwerk in Bremerhaven aufgebaut – mit monday für das Projektmanagement und HubSpot als CRM. Am Ende des Projekts hatten wir 154 Kontakte, 270 Notizen sowie rund 180 empfangene und 285 versendete E-Mails dokumentiert.

Kernstück war eine E-Mail-Kampagne: Wir haben zunächst die rechtlichen Grundlagen für Kaltakquise per E-Mail recherchiert, dafür eine eigene Domain (novum-kollektiv.de) und eine eigene Adresse (moin@novum-kollektiv.de) über die Synto eG eingerichtet und eine Liste von 138 Kontakten zusammengestellt – Politiker:innen, Akteure der Kulturszene und Immobilienbesitzer:innen. Für diese Liste haben wir sowohl formelle als auch persönliche E-Mail-Vorlagen geschrieben, etwa:

„Wir, das sind Tari, Laurenz und Laurens, planen einen Club in Bremerhaven zu eröffnen und suchen dafür ein Objekt in der Seestadt...“

Aus diesen 138 E-Mails sind 26 Antworten zurückgekommen (sechs davon Absagen) – mit dem Rest kamen wir in einen echten Austausch. Über dieses Netzwerk haben wir Zugang zu zentralen Institutionen bekommen: zum Kulturamt, zu Erlebnis Bremerhaven (Ralf Meyer) und zur BIS Bremerhaven (Barbara Schieferstein), die uns bei der Standortsuche und Förderfragen unterstützt hat. Über Niklas Piatkowski vom Kreativen Aufbruch Bremerhaven kamen wir an viele weitere Türen.

Auch politisch sind wir aktiv geworden: Wir haben jede demokratische Partei angeschrieben. Mit den Grünen entstand über Finn Hinrichs ein regelmäßiger Austausch und die Aufnahme in den „Arbeitskreis Jugend“, mit der SPD kamen wir über ein Netzwerkevent im Werk ins Gespräch, und am 8. März durften wir unser Projekt vor der CDU-Fraktion Bremerhaven vorstellen.

Einen echten Schub bekam alles durch die Presse: Luise Langen von der Nordsee-Zeitung hat über uns berichtet – am Erscheinungstag des Artikels kamen 50 neue Follower dazu, am Tag danach noch einmal 18. Kurz darauf meldete sich auch Radio Bremen Fernsehen für eine filmische Begleitung.

Die Suche nach einem Ort

Das eigentliche Ziel – ein konkreter Ort für den Club – blieb der schwierigste Teil. Von rund 40 bis 50 geprüften Locations blieben am Ende drei realistische Optionen:

  1. Columbusbahnhof im Hafen – Räume, die uns Jens-Erwin Siemssen von der Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ angeboten hat, unter der Bedingung, dass wir uns mit dem Thema Ein- und Auswanderung auseinandersetzen. Nutzung einmalig oder bei guter Resonanz bis zu zwei Jahre möglich.
  2. Tusculum – ein mietbarer Veranstaltungsort nahe der Alten Bürger mit Platz für rund 80 Personen, gut geeignet, um unser Konzept zu testen.
  3. Altes Eiswerk – eine frisch renovierte Halle von Kai-Uwe Schulz im Fischereihafen.

Bereits am 03.12.2021 hatten wir dazu einen Flyer zur Raumsuche entworfen und verteilt. Viele Gebäude fielen aus der Liste, weil sich der Besitzer nicht ermitteln ließ, weil die Stadt eine Vermietung ablehnte oder weil der bauliche Zustand eine Nutzung unrealistisch machte.

Erste Veranstaltung: „Boarding“

Aus den Gesprächen rund um den Columbusbahnhof entstand schließlich unsere erste eigene Veranstaltung: „Boarding“, am 01.04.2022 im Columbusbahnhof Bremerhaven – mit rund 200 Besucher:innen. Aus der monatelangen Netzwerk- und Standortsuche wurde damit zum ersten Mal eine echte Veranstaltung unter dem Namen Novum Kollektiv.

Was ich gelernt habe

Marke vor Substanz kann ein Vorteil sein. Wir haben Tage damit verbracht, ein perfektes Logo zu finden – ohne Ergebnis. Weil die Aktivierung des Instagram-Accounts aber ein fertiges Corporate Design brauchte, haben wir uns am Ende für ein einfaches Namenslogo entschieden. Diese pragmatische Entscheidung hat uns nicht aufgehalten, sondern den Projektplan weiterlaufen lassen. Klassische, durchgeplante Projektsteuerung ist für ein junges Kreativkollektiv oft zu starr – eine Mischung aus Struktur und bewusst gelassenen Lücken hat besser funktioniert.

Kaltakquise funktioniert, wenn man sie ernst nimmt. Die rechtliche Recherche, eine eigene Domain, durchdachte Vorlagen und eine klar definierte Zielgruppe haben aus einer Liste von 138 Kontakten echte Gespräche, Termine und Partnerschaften gemacht. Das war für mich der erste Beweis, dass strukturiertes Networking – auch ganz ohne bestehenden Track Record – Türen öffnet.

Öffentliche Aufmerksamkeit ist ein Hebel. Ein einzelner Zeitungsartikel hat unsere Reichweite stärker beeinflusst als Wochen an Eigenmarketing. Seitdem denke ich bei jedem Projekt früh mit: Wer könnte darüber berichten, und was würde ich der Presse erzählen wollen?

Ein starkes Netzwerk ist nicht automatisch das richtige Netzwerk. Am Ende dieser Phase hatten wir exzellente Kontakte zu Politik und Institutionen – aber kaum Kontakt zur jungen, subkulturellen Szene, für die wir den Club überhaupt bauen wollten. Das war ein wichtiger Weckruf: Networking ohne klaren Bezug zur eigentlichen Zielgruppe bringt Reichweite, aber nicht automatisch die richtigen Leute.

Der erste Schritt zählt mehr als der perfekte Plan. Aus monatelanger Standortsuche und Netzwerkarbeit wurde mit „Boarding“ am 01.04.2022 die erste echte Veranstaltung – noch bevor wir einen festen Ort hatten. Dieser Schritt von der Planung in die Umsetzung war der eigentliche Wendepunkt des Projekts.

Fazit

Aus einer vagen Idee im Oktober 2021 wurde innerhalb von einem halben Jahr eine eingetragene Marke, ein über 150 Personen starkes Instagram-Publikum, ein Netzwerk aus Politik, Verwaltung und Kulturszene – und die erste eigene Veranstaltung. Das Novum Kollektiv hatte damit die Grundlage geschaffen, auf der gut anderthalb Jahre später das Pop-Up-Kulturzentrum ZAPPZARAPP entstehen sollte. Die Erfahrung, Equipment für Veranstaltungen aus vielen verschiedenen Stellen zusammensuchen zu müssen, führte später zur Idee von Kulturdepot – einer zentralen Verleihplattform für die Bremerhavener Kulturszene.